Gastbeitrag von Stefan Maassen, Head of Capital Markets & Corporates, in der Unternehmeredition 1/2026
Familienunternehmen stehen unter Zugzwang: Innovation, Skalierung und Nachfolge verlangen neue Antworten. Der Kapitalmarkt wird dabei für immer mehr Betriebe zur strategischen Option – ein gut vorbereiteter Börsengang kann Stärke und Wettbewerbsfähigkeit deutlich erhöhen. In einem aktuellen Leitfaden hat die Deutsche Börse mit mehreren Capital Market Partnern das Thema im aktuellen Kontext beleuchtet. EY, Hoffmann Liebs, Kirchhoff, Lilja & Co., Metzler und Noerr LLP zeigen anhand praktischer Beispiele die wichtigsten Aspekte eines Börsengangs von Familienunternehmen.
Ein Börsengang ist oft die Antwort auf zwei der dringendsten unternehmerischen Fragen: Wie finanzieren wir zukünftiges Wachstum in einem dynamischen Marktumfeld und wie regeln wir die Nachfolge nachhaltig und fair? Der Kapitalmarkt bietet die nötigen Mittel, um neue Produkte zu entwickeln, neue Märkte zu erschließen und die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Gleichzeitig ist der Börsengang eine souveräne Lösung für den Generationenwechsel. Angesichts der Tatsache, dass in den kommenden Jahren die Babyboomer-Generation aus dem Arbeitsleben ausscheidet, sehen sich viele Familien mit einer Nachfolgelücke konfrontiert. Die nachfolgende Generation verfolgt häufig individuelle Karrierewege und steht für die Unternehmensführung nicht mehr automatisch zur Verfügung.
Ein Börsengang ermöglicht hier eine saubere und flexible Lösung: Einzelne Familienmitglieder können ihre Anteile am Kapitalmarkt veräußern. Das vermeidet innerfamiliäre Konflikte und diversifiziert das Vermögen. Gleichzeitig wird der Wert des Unternehmens transparent und marktgerecht bewertet, was die Übertragung von Anteilen, auch im Erbfall, erheblich erleichtert.
Die Balance zwischen Kontrolle, Kultur und Kapitalmarkt
Die größte Sorge vieler Familienunternehmer gilt dem potenziellen Verlust von Kontrolle und der als einzigartig empfundenen Unternehmenskultur. Die Furcht vor kurzfristigem Ergebnisdruck durch externe Investoren und dem Verlust der langfristigen, auf Stabilität ausgerichteten Strategie ist ein oft genanntes Hindernis. Doch die Praxis zeigt, dass sich diese Ängste durch eine kluge und weitsichtige Gestaltung proaktiv managen lassen.
1. Kontrolle intelligent wahren
Der Einfluss der Familie muss mit dem Börsengang keineswegs enden. Die meisten Familienunternehmen geben bewusst nur einen Minderheitsanteil an die Börse ab und sichern sich so die Stimmrechtsmehrheit. Ein gutes Beispiel ist das Pharmaunternehmen Dermapharm, bei dem die Gründerfamilie auch nach dem erfolgreichen Börsengang im Jahr 2018 noch die Mehrheit der Aktien hält. Eine noch elegantere Methode, um die operative Kontrolle dauerhaft zu sichern, bietet die deutsche Rechtsform der Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA). Sie ermöglicht es der Familie, die unternehmerische Führung zu behalten, selbst wenn die Kapitalmehrheit bei neuen Aktionären liegt. Der Medizintechnik-Champion Ottobock sowie der Wissenschaftsverlag Springer Nature, mit der Verlegerfamilie Holtzbrinck als Ankeraktionär, haben diesen Weg jüngst erfolgreich beschritten und beweisen eindrucksvoll, dass Kapitalmarktzugang und familiäre Kontrolle kein Widerspruch sind.
2. Kultur als Wettbewerbsvorteil stärken
Ein Börsengang kann die einzigartige DNA eines Unternehmens sogar schärfen und sichtbarer machen. Die Kultur, die oft von der Vision des Gründers geprägt ist, wirkt als „Leim“, der Mitarbeiter und Management hinter einem gemeinsamen Ziel vereint. Dieses Konzept des „Patient Capital“, bei dem Erträge primär reinvestiert werden, um das Unternehmen für kommende Generationen zu sichern, findet bei langfristig orientierten Investoren großen Anklang. Ein eindrucksvolles Beispiel hierfür ist der italienische Luxusmodehersteller Brunello Cucinelli. Mit seiner Philosophie des „humanistischen Kapitalismus“ beweist er, dass eine klare Werteorientierung und gesellschaftliche Verantwortung das Vertrauen von Investoren stärken und zu außerordentlichem finanziellem Erfolg führen können.
Steuerliche Weitsicht: Den Wertzuwachs für die Familie sichern
Für den langfristigen Erfolg und die Sicherung des Familienvermögens ist eine vorausschauende steuerliche Planung entscheidend. Ein Börsengang führt in der Regel zu einer deutlichen Steigerung des steuerlich maßgeblichen Unternehmenswerts. Die entscheidenden Gestaltungen zur Vermögensübertragung auf die nächste Generation müssen daher idealerweise Jahre vor dem Börsengang umgesetzt werden, zu einem Zeitpunkt, an dem der Unternehmenswert noch nicht durch die Börsenbewertung in die Höhe geschnellt ist. Dadurch lässt sich die Belastung durch Schenkungs- und Erbschaftssteuer erheblich reduzieren. Um Vermögen zu übertragen und zugleich Einfluss und Erträge zu sichern, greifen viele Familien auf erprobte Modelle zurück: etwa eine Familienholding, gemeinsame Stimmrechtsabsprachen im Rahmen eines Pools oder eine schrittweise Anteilsweitergabe, bei der der bisherige Eigentümer die Erträge vorerst behält. Eine besondere Gefahr stellt die „Wegzugsbesteuerung“ dar. Gründet ein Familienmitglied mit wesentlicher Beteiligung einen Wohnsitz im Ausland, kann der deutsche Fiskus eine fiktive Veräußerung der Anteile besteuern. Dieser drohende massive Liquiditätsabfluss kann nur durch sehr gezielte und rechtzeitige Gestaltungen vermieden werden, etwa durch die Übertragung auf eine inländische Familienstiftung vor dem Wegzug.
Keine Angst vor dem „gläsernen Unternehmen“
Die mit einem Börsengang einhergehenden Publizitätspflichten – Ad-hoc-Mitteilungen, Finanzberichte, Directors' Dealings – werden oft als bürokratische Bedrohung empfunden. Doch das „Märchen vom gläsernen Unternehmen“ ist ein Missverständnis. Transparenz bedeutet nicht, interne Strategien oder Wettbewerbsgeheimnisse offenzulegen. Vielmehr geht es darum, relevante Informationen nachvollziehbar, konsistent und glaubwürdig zu vermitteln. Diese professionelle Kommunikation schafft Vertrauen bei allen Stakeholdern und wird zu einem strategischen Vorteil. Eine starke Kapitalmarktpräsenz wirkt wie ein Qualitätssiegel, das Professionalität, Verlässlichkeit und Zukunftsfähigkeit signalisiert und die Wahrnehmung bei Kunden, Partnern und Talenten stärkt.
Fazit
Ein Börsengang ist kein Abschluss, sondern der Start in eine neue Phase für ein Unternehmen – auch für Familienunternehmen. Er bedeutet einen Schritt, der das Unternehmen moderner und zukunftsfähiger macht. Beispiele wie Ottobock oder Dermapharm zeigen, dass sich mit guter Vorbereitung, einer klaren Strategie und kluger steuerlicher Planung die Werte eines Familienunternehmens – langfristiges Denken, Stabilität und eine starke Unternehmenskultur – sehr gut mit den Chancen des Kapitalmarkts verbinden lassen. Wer diesen Wandel aktiv angeht, gewinnt neue Möglichkeiten, mehr Sichtbarkeit und eine starke Perspektive für die Zukunft – und stärkt damit das unternehmerische Erbe für die nächste Generation.
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